Für den Bereich der öffentlichen Weiterbildung entwickelte eine Projektgruppe am Deutschen Institut für Erwachsenenbildung (DIE) eine Branchenversion des Modells der EFQM, das im Unterschied zur ISO 9000 nicht durch eine Fremdevaluation bestätigt wird, sondern im Prinzip geregelter Selbstevaluation genügt, und insbesondere Qualitätsentwicklungsprozesse in der Einrichtung anstoßen und umsetzen soll HEINOLD-KRUG/GRIEP/KLENK o.J.). Bei der Selbstbewertung geht es darum, anhand aufbereiteter Fragenkataloge die Stärken und Schwächen der eigenen Einrichtung einzuschätzen und damit Ansatzpunkte für die Initiierung von Qualitätsentwicklungsprojekte zu finden. Das Modell orientiert sich an Grundgedanken des kontinuierlichen Verbesserungsprozesses (MEISEL 2005).
In der Praxis gibt es in der Regel einen vorgegebenen Ablaufplan: Informationsveranstaltung mit externen Beratern Start-Workshop Einschätzung der Mitarbeitenden Konsensworkshop (die Mitarbeiter einigen sich auf Bewertungen) Festlegung von Qualitätsentwicklungsprojekten Maßnahmeplan Implementation Auswertung erneute Selbstbewertung (MEISEL 2005, S. 28).
Der Einstieg in die EFQM (erste Selbstbewertung und Umsetzung erster Projekte) variiert zwischen einigen Tagen und 2-3 Wochen für die Selbstbewertung und zwischen 6 bis 9 Monaten für die Umsetzung der Projekte. Zum erreichen des Recognised to Excellence sind je nach Ausgangsreifegrad 2 bis 4 Jahre kontinuierlicher Organisationsentwicklungsarbeit nötig. Die Kosten belaufen sich dabei zwischen 4.000,- und 14.000,- Euro (gestaffelt nach Stufen: 1. Stufe = Committed to Excellence (wird durch einen Validator bewertet und beurkundet und gilt für 2 Jahre) / 2. Stufe = Recognised to Excellence (wird durch einen Excellence-Assessor bewertet und beurkundet) / 3. Stufe = Ludwig-Erhard-Preis (Preisverleihung), es gibt keine externe Zertifizierung). Eine Beratung ist nicht vorgesehen, das nötige Wissen und die Methoden können aus eigener Kraft erarbeitet werden. Informationen bekommt man im Netz unter http://www.deutsche-efqm.de (APEL 2006, VELTJENS 2006).
EFQM ist ausgeprägt entwicklungsorientiert und ein vereinfachtes Systemmodell einer Organisation. Es beinhaltet neun Kriterien, wobei die ersten fünf als „Befähiger“ (Leitung, MitarbeiterInnen, Profil und Strategie, Ressourcen und Kooperationen, Prozesse), die letzten vier als „Ergebnisse„ (Mitarbeiter-, Kunden-, teilnehmerbezogene Ergebnisse sowie wichtige Ergebnisse der Einrichtung) bezeichnet werden (MEISEL 2005, S. 26).
Das DIE hat eine VHS-spezifische Variante mit zahlreichen auch programmbereichsbezogenen Arbeitshilfen entwickelt. Damit wurde der früher vorhandene Nachteil von EFQM, dass es sich um einen Qualitätsmanagementansatz, der allein auf einer kontinuierlichen Selbstevaluation basiert, aufgehoben (MEISEL 2005). Die VHS können sich auch für eine erste Stufe der EFQM (Committed to Excellence) extern zertifizieren lassen. Voraussetzungen dafür sind die Durchführung einer umfassenden Selbstbewertung nach EFQM, Ableitung einer Stärken – Verbesserungspotentiale – Analyse, Priorisierung von Veränderungsprojekten, Projektplanung und –controlling und die Bewertung der Veränderungsprojekte (ECKERT/LUDWIG 2005).
Das EFQM hat seine Stärken in der Förderung und breiten Beteiligung der Mitarbeitenden, in der Möglichkeit zum flexiblen Einsatz, in einer Stärkung der Organisations- und Personalentwicklung sowie in den geringen externen Kosten (MEISEL 2001, S. 31). Ähnlich wie beim ISO-Ansatz wird seitens der Praxis der hohe Aufwand an „Übersetzungsleistungen“ kritisiert, ebenso der hohe Zeitaufwand bei der Implementation ohne externe Beratung (MEISEL 2005).
Die internationalen und wirtschaftsnahen Modelle ISO 9001 und EFQM sind auf der Basis breiter internationaler Abstimmungen entstanden und werden immer weiter fortentwickelt. Sie sind unabhängig von öffentlichen Zuwendungen und stellen seit Jahren ein funktionierendes und anerkanntes System der Qualitätsbewertung dar. Dagegen sind die im folgenden beispielhaft aufgeführten nationalen Modelle ohne öffentliche Förderung nicht denkbar. Fachlich lehnen sie sich an den internationalen Modellen an und stellen eine Übertragung der internationalen Standards auf nationaler Ebene dar. Damit stellt sich für den Nutzer natürlich die Frage, weshalb er dann nicht gleich auf die internationalen Modelle setzt, die er jederzeit noch um fachspezifische Elemente ergänzen kann. Für die internationalen Qualitätsmodelle sprechen in der aktuellen Qualitätsdebatte eine internationale Koordinierung, mehrere Durchläufe bei den kontinuierlich anstehenden Normrevisionen sowie ein unabhängiges und ebenfalls international breit abgestimmtes Akkreditierungsverfahren (FEUCHTHOFEN/JAGENLAUF/KAISER 2006).