Die kleinen Lieferanten des
Lebensmitteleinzelhandels
Viele kleine und
mittelständische Unternehmen beliefern den
Lebensmitteleinzelhandel. Meist werden die Supermärkte nur
regional beliefert, z.B. einheimische Brauereien oder wie viele
Ostprodukte, nur in den neuen Bundesländern gelistet sind. Durch
eine gewisse Marktmacht des Handels gegenüber der
Ernährungsindustrie kommt der Wettbewerbsdruck nicht nur seitens
anderer Hersteller sondern auch vom Lebensmitteleinzelhandel.
Die große Einkaufsmacht des Handels hat bereits 1994 die
Monopolkommission in einem Sondergutachten festgestellt:
„Unstrittig ist auch, dass einzelne Handelsunternehmen gegenüber
ihren Lieferanten über erhebliche Verhaltensspielräume verfügen"
Quelle: C.R. Weiss, Firmenzusammenschlüsse in der
Ernährungswirtschaft, 2000, Universität Kiel
Dabei hat der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) selbst einen sehr
harten Wettbewerb zu verkraften, denn seit 1994 ist die
Konzentrationswelle im Lebensmitteleinzelhandel weitergegangen
(bspw. Metro (Real) mit Allkauf und Standorte von Kriegbaum
(hauptsächlich SB-Warenhäuser), Walmart mit Wertkauf und
Interspar oder Schwarz-Gruppe (ehemals Lidl &Schwarz, Kaufland)
mit Komm zu Komm- sowie famila-Märkten). In den neuen
Bundesländern, wurden seit Anfang der 90iger Jahre immer mehr
Handelsflächen erschlossen. Den größten Expansionsdrang hatten
die zur Schwarz-Gruppe gehörenden SB Warenhäuser -Kaufland.
Kaufland ist heute unangefochtener Marktführer in den neuen
Bundesländern im Lebensmitteleinzelhandel. Somit ist nicht
auszuschließen, dass es auch in der Süßwarenindustrie zu
Zusammenschlüssen kommt, um sich der Übermacht des Handels
stellen zu können. Laut einer Befragung der
Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC)
sind 28 % der 436 größten Hersteller der Ernährungsindustrie zu
Fusionen bereit.
Trotz einiger Firmenzusammenschlüsse im Lebensmitteleinzelhandel
herrscht – vor allem im Osten Deutschlands - weiterhin ein
harter Wettbewerb. Dies drückt sich im ruinösen Kampf um die
Preisführerschaft aus. Im Kampf um den besten Preis scheinen
betriebswirtschaftliche Gesichtspunkt keine Rolle mehr zu
spielen. Jedes Unternehmen des Handels hat so genannte
Discountartikel, wobei die Preise von ALDI Vorbildfunktion
besitzen und angeglichen werden. Zum Leidwesen der
Markenartikelhersteller sind auch bekannte Marken betroffen.
Viele Markenprodukte verlieren an Attraktivität bei zu niedrigem
Preis. Ein Beispiel für die Vernichtung von Marken ist das
Waschmittel OMO, das durch Billigaktionen von ALDI als Marke
verschwunden ist. Jüngstes Beispiel im Süßwarenbereich ist die
Marke „Griesson -Soft- Cake“, einst im Fernsehen beworben,
werden heute verschiedene Alternativprodukte als Discountartikel
(z.B. Jaffa-Keks bei Penny und Aldi) angeboten. Zwar haben
Süßwaren den geringsten Anteil der Eigen- oder Handelsmarken mit
5,9 % (1) am Gesamtumsatz im Lebensmittelsektor. Jedoch ist der
Trend des Handels zu mehr Eigenmarken auf breiter Front
sichtbar. Der Anteil der Handelsmarken ist insgesamt von 25,8 %
in 2000 auf 31,3 % im Jahr 2002 gestiegen.(2) Kaufland ersetzt z.B.
sukzessive seine Discountartikel (intern
Aldi-Alternativ-Artikel) durch die Eigenmarke „K-Classic“.
Dabei ist der Anstieg der Handelsmarken nicht Ausdruck von
Einmaligkeit oder Spannensicherheit, was früher als Motiv für
das Einführen von Eigenmarken galt, sondern eine Reaktion auf
die anhaltende Konsumschwäche.
Im Wettbewerb mit den Handelsmarken werden nur noch den starken
Marken Chancen eingeräumt. „Kein Platz in der Mitte: Entweder
Top oder Ex-und-Hopp“ so formuliert im Leitartikel: „Marken -
Wer überlebt die Schnäppchenjagd ?“ der Wirtschaftswoche,
Ausgabe 7/2004.
Begründet wird die Entwicklung, durch die so genannten „hybriden
Verbraucher“, welche „Geiz ist geil“ beim Einkauf von
Tiefkühl-Hummer bei Aldi praktizieren, mit Billigfluglinien
fliegen und im Gegensatz dazu Audi TT fahren oder Kleidung von
Gucci tragen.
Sicherlich nehmen in Bezug auf die Entwicklung der Produktmarken
die Ostmarken eine Sonderstellung ein. Sie wecken Erinnerungen,
suggerieren heimische Arbeitsplätze zu erhalten und bezogen auf
die Ernährungsindustrie, schmecken sie regional-typisch. Aber
können diese Eigenschaften der Ostmarken auf die nächsten
Generationen übertragen werden? Und kann der Wachstumskurs der
Ostmarken fortgesetzt werden? In diesem Umfeld muss sich
Halloren, stellvertretend genannt für die ostdeutsche
Markenartikelindustrie, heute und in Zukunft behaupten
Quellen:
(1)
Gesellschaft für Kosumforschung GmbH, http://www.gfk.de, 01/2004
(2) Brutales Geschäft, Wirtschaftswoche, Ausgabe 7/2004