Schutz und Erhaltung
Der Landwirt bekundet heute kaum mehr Interesse am betriebswirtschaftlich unrentablen Streuobstbau. Um die durch die Ökonomie nicht gewährleistete Rentabilität herzustellen, versuch(t)en Förderprogramme zur Streuobstbewirtschaftung, dem Streuobstbauer die ökologischen Leistungen zu honorieren. Der Einsatz solcher Programme ist eine Übergangslösung, die derzeit akzeptiert wird. Sie stellt nur einen, wenngleich momentan unverzichtbaren, Bestandteil der einsetzenden und notwendigen Förderung des Streuobstbaus dar. Neben dem Ersatz mangelnder betriebswirtschaftlicher Rentabilität haben Bewirtschaftungsprogramme des Streuobstbaus u.a. folgende positive Effekte (LOTT 1995):
- Die Landwirte und Obstbauer setzen sich bewusster mit dem Problem des Arten- und Biotopschutzes auseinander.
- Wichtige Strukturen des Hochstammobstbaues als Kulturlandschaftselement und typische Bewirtschaftungs- und Nutzungspraktiken bleiben erhalten.
- Die Streuobstbestände werden vor einer Intensivierung geschützt und damit als wichtige Lebensräume gesichert und weiterentwickelt.
Tatsache ist, dass Streuobstwiesen über kurz oder lang zum Scheitern verurteilt sind, wenn nicht Eigentümer und Pächter an deren Unterhaltung, Pflege, Nutzung und Vermarktung stärker interessiert werden können. Dazu sind aber weitreichende Unterstützungen unterschiedlichster Art durch die EU, den Bund, die Länder, die Landkreise und die Gemeinden erforderlich. Dabei genügt jedoch die momentane Förderungskombination von Unterschutzstellung, Bewirtschaftungsförderung und Vermarktung den komplexen Ansprüchen zum Erhalt und zur Integration der Hochstamm-Obstbaumpflanzungen nicht mehr. Heute können Lösungsansätze nur gefunden werden, wenn folgende Themenbereiche miteinander vernetzt werden (vgl. LOTT 1993):
- historische Entwicklung und Bewertung der historischen Aussagen,
- Anerkennung des Obstbaumes als Kulturgut,
- Ökologie, Landnutzung und Landbewirtschaftung, Ästhetik,
- Betriebswirtschaftliche Rentabilität als Funktion von Produktion, Verwertung und Vermarktung,
- Sensibilität und Verbraucherverhalten als sozioökonomischer Prozess,
- Politik und Planung (Raum- und Landschaftsplanung, Agrarpolitik, Chancen kleinbäuerlicher und dezentraler Landwirtschaft, Handelspolitik, Schutzkonzepte, Modellversuche und Modellverordnungen, Berücksichtigung im Flurbereinigungsverfahren),
- Subventionsmodelle zur Unterhaltung und Bewahrung von Streuobstbeständen,
- Konzepte zur Wiedereingliederung von Streuobstpflanzungen in die Landschaft und die Siedlungen,
- Erfassung und Bewertung von Gefährdungsursachen.
Dabei führt das Thema "Streuobstwiesen" Menschen der verschiedensten Berufs- und Interessengruppen zusammen, die ihr Wissen und ihre Motivation zusammen zum Erhalt der Streuobstwiesen einsetzen müssen. Erkenntnisvorlauf besteht bezüglich der Anwendung und Wirksamkeit von Schutzkonzepten, von Förderprogrammen und Vermarktungsmodellen.(14)
Im Folgenden werden neben internationalen und nationalen (gesetzlichen) Förder- und Schutzmöglichkeiten regionale Möglichkeiten von Verbänden und Privatpersonen zum Schutz der Streuobstbestände aufgezeigt.
(14) Den interdisziplinären Ansatz schuf eine Modellstudie zur "Erhaltung und Förderung von Streuobstwiesen" in der Gemeinde Bad Boll" (RÖSLER 1996), in der Schutzkonzepte, Förderprogramme, Vermarktungsmodelle, Zusammenhänge von Ökologie, Nutzung, Ökonomie und Vermarktung, Umweltbewusstsein und Gefährdung untersucht wurden. Damit wurde eine interdisziplinäre Analyse und ein Bewertungsansatz erprobt und zu einem lokalen Schutz- und Förderkonzept ausgebaut. Diese methodischen Ansätze sind übertragbar auf weitere streuobstbauende Untersuchungsgebiete.